Beurteilung der Seite „Europaquellen“

Eine Zuordnung der Seite „Europaquellen“ und ihres Inhalts ist für den Benutzer leicht möglich, da das verantwortliche Autoren-Kollektiv angegeben, die institutionelle Anbindung (Universität/Institut) nachvollziehbar und der Anlass des Projekts, seine Förderung, Leitung und Aufgabenverteilung aus der Projektbeschreibung ersichtlich ist. Zitierhinweise werden bei den einzelnen Titeln gegeben. Dass Interessen außerhalb von Forschung und Lehre bedient werden, ist nicht feststellbar – sieht man vom Verkaufsinteresse des Verlages für das angeführte Buch ab.
Die Texte sind dem Medium entsprechend aufbereitet, der modulare, fragmentierte und vernetzte Aufbau, der Querverbindungen ermöglicht und gegenüber ergänzenden neuen Inhalten prinzipiell offen ist, gibt der Seite den Charakter von Hypertext, Umfang und Art der einzelnen Artikel und Essays vermitteln insgesamt aber den Eindruck einer Mischform. Durch Verwendung der Farbe blau wird eine Assoziation mit der EU hervorgerufen, die eine Rezeption im Sinne einer gesamteuropäischen Identifikation nahe legt. Dem Konzept der Seite entsprechend sind die Quellen genau dokumentiert, entsprechende Bibliographien und Fußnoten finden sich bei den einzelnen Artikeln und Essays, außerdem werden Lebenslauf und Werkverzeichnis der Autoren angeführt. Ein Stichwort- und Personenverzeichnis ist wie eine Zeitleiste Teil des Datenbanksystems, eine vergleichbare Funktion über Entstehungsorte fehlt allerdings, auch auf eine Erläuterung von Spezialbegriffen (Glossar oder Datenbank) wird verzichtet.
Die angewandte Methodik, deren Ergebnis in den „Quellenautopsien“ vorliegt, wird hinsichtlich Ermittlung und Aufbereitung der Quellen ausführlich und systematisch erläutert, auf weiterführende theoretische Ausführungen über den Forschungshintergrund wird aber, wahrscheinlich aus Gründen der Übersichtlichkeit, verzichtet. Inwieweit hier ein neuer Forschungsansatz verfolgt oder auf den etablierten wissenschaftlichen Konsens gesetzt wird, kann ich daher nicht beurteilen. Obwohl über gleichartige Web-Projekte eine Verbindung zur Ludwig-Maximilians-Universität München ersichtlich ist, ist darin noch keine Einbindung in einen wissenschaftlichen Dialog mit anderen Seiten zu sehen. Rezensionen der Seite konnte ich über gängige Fachportale keine ausfindig machen, auch unter „Medienecho“ fehlen Einträge, zum Begleitbuch kann allerdings auf eine Rezension in einer Zeitschrift zugegriffen werden. Wann die Seite erstellt, in ihrem Kernbereich abgeschlossen und zuletzt geändert wurde, wird zwar angegeben, Hinweise auf eine laufende technische Wartung und inhaltliche Aktualisierung fehlen allerdings. Zur Schaffung eines „Wissensraums“ wird hauptsächlich eine Binnenverlinkung zwischen den einzelnen Artikeln und zu den Quellen eingesetzt, aber auch externe Links verwendet, außerdem wird das multimediale Potenzial dem Zweck entsprechend durch Verwendung bildlicher Quellen genutzt.
Logische und inhaltliche Struktur entsprechen einander, die recht einfache Eingangsseite, die farbliche Gestaltung – etwa der unterschiedliche Hinweis auf Bildquelle oder Originaltext – und die verwendeten Formen tragen zur Übersichtlichkeit und Orientierung bei. Gravierende Fehler sind im Bereich externer Links festzustellen, eine Reihe von Seiten kann nicht mehr gefunden werden, sogar einer der fünf Europa-Links funktioniert nicht mehr, was auf mangelnde technische Wartung schließen lässt – außerdem hat sich bei einer bildlichen Quelle ein kleiner Programmierfehler eingeschlichen: „Fenster schließen“ funktioniert nicht. Die Lesbarkeit ist trotz kleiner Schriftgröße und dichter Schreibweise gegeben, bei genauerem Lesen empfiehlt sich aber ein Ausdruck, der trotz Fehlens einer expliziten Druckfunktion möglich ist. Die angegebenen Web-Adressen, etwa bei den Europa-Links, sind inhaltlich aussagekräftig, Probleme mit Ladezeiten oder Flash-Animationen gibt es nicht. Werbung scheint auf der Seite selbst keine auf, nur beim Öffnen der Seite erscheint ein Pop-Up, auf dem Klingeltöne und Gratisspiele fürs Handy angepriesen werden (wurde das absichtlich eingebaut?) Für ein mögliches Feedback steht ein eigenes Formular zur Verfügung.

Insgesamt kann der Seite trotz einiger Mängel (vor allem bei der externen Verlinkung) eine hohe Qualität und Zuverlässigkeit bescheinigt werden, die ihre fachspezifische Verwendung in Forschung und Lehre als sinnvoll erscheinen lässt. Allerdings scheint die Seite bei den einschlägigen Fachportalen – vielleicht wegen ihres sehr speziellen Inhalts – noch wenig Beachtung gefunden zu haben.
Schmale - 3. Nov, 11:47

Schmale

Das ist eine hervorragende Auseinandersetzung mit der Seite, die die Qualitätskriterien systematisch anlegt.
Ganz unten auf der seite gibt es einen Button, über den die Seitenaufrufe, auch nach Ländern sortierbar, eingesehen werden können.

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